Sängerbund löst sich nach 137 Jahren auf

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Der „Sängerbund des ehemaligen Amtes Hagen“ löst sich nach 137 Jahren auf. Das beschlossen die Sangesbrüder einstimmig auf der jüngsten Tagung in Dorfgemeinschaftshaus in Kassebruch. Gegründet worden war der Bund 1889 in der Gastwirtschaft von Thun (später Dietrich) in Driftsethe von den Männergesangvereinen Hagen, Driftsethe, Bramstedt, Uthlede, Rechtenfleth, Sandstedt, Wersabe und Aschwarden. Später kamen noch Kassebruch, Wulsbüttel und Dorfhagen dazu. Bei so vielen Chören hielt man es damals für nötig, einen Sängerbund zu gründen, um alle Chöre unter einen Hut zu bringen. Der Name „Sängerbund des ehemaligen Amtes Hagen“ wurde gewählt, weil das Amt Hagen schon damals „ehemalig“ war, aber auch Aschwarden, das heute im Landkreis Osterholz liegt, als ältester Chor von 1865 noch dazu gehörte. So waren die gemeinsamen Bundessängerfeste mit Darbietungen der Chöre und einem großen Ball wahre Publikumsmagneten. Der langjährige Schriftführer Hans Schadereit, inzwischen verstorben, hatte zum 125jährigen Jubiläum, die Chronik aufgearbeitet. Er wusste, dass der Bund 1925 ein eigenes 600 Quadratmeter großes Zelt mit einer runden Tanzfläche von 16 Metern Durchmesser angeschafft hatte. Acht Ackerwagen mit genau festgelegter Packordnung waren nötig, um es zum Veranstaltungsort zu bringen, der jedes Jahr unter den Vereinen wechselte. In den 1930er Jahren gab es keine Vorsitzenden mehr, sondern „Vereinsführer“, und auch das Liedgut musste von oben genehmigt werden. Nach dem Krieg rief der damaligen Bundesvorsitzende Christoph Köster die Chöre zu einem Neuanfang zusammen. Die Sängerfeste fanden wieder mit großem Erfolg statt. Daran erinnert sich auch noch Heinz Blendermann, der seit 39 Jahren Sängerpräsident ist. Es gab stets einen Festumzug, Gesangsvorträge mit dem Leiter des gastgebenden Chors als Bundesdirigenten und am Abend den großen Sängerball. In den 1980er Jahren beschränkte man sich auf die Darbietungen und den Ball, zuerst in der Gastwirtschaft Specketer in Albstedt und später in der Schützenhalle in Offenwarden. Damals gab es mit Wulsbüttel, Aschwarden, Uthlede, Kassebruch, Wersabe, Sandstedt und Rechtenfleth noch sieben aktive Chöre. Später feierte man das Fest mit Liedvorträgen und einem Kaffeenachmittag im Weserhof in Sandstedt und seit einigen Jahren in der Uthleder Kirche. Geblieben sind mit Uthlede und Kassebruch nun noch zwei Chöre, die seit gut einem Jahr erfolgreich gemeinsam singen. So hielten die Mitglieder für organisatorische Fragen auch den Sängerbund nicht mehr für nötig. Der gemeinsame Chor läuft gut, und so wird es die Auftritte und das traditionelle Sängerfest auch weiterhin geben, in diesem Jahr am 19. April in der Uthleder Kirche. Otto Baur